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Neues aus dem Archivwesen in Westfalen-Lippe
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Mein Name ist Simone Lang, ich bin 24 Jahre alt und studiere als zweiten Bachelor den sogenannten Studiengang „Archiv“ an der Fachhochschule Potsdam. Da ich mich nun im 5. Semester befinde und dieses als Praxissemester angelegt ist, erlebe ich nach einer 10-wöchigen Erfahrung im Bundesarchiv eine ebenso lange Praxis-Erfahrung im LWL-Archivamt. Ein großer Sprung von einer großen Bundesarchiv-Abteilung in das noch überschaubare LWL-Archivamt in Münster. „Mein Praktikum im LWL-Archivamt“ weiterlesen
Gemeindliches Schriftgut erfährt nach 420 Jahren Verjüngungskur
Im Gemeindearchiv Möhnesee liegt eine 420 Jahre alte, gesiegelte Urkunde aus dem Jahr 1602 im Bestand Völlinghausen und die Syringer Mark. Die Urkunde aus der späten Renaissancezeit stellt mit Abstand eins der ältesten Stücke Verwaltungsschriftgut im Gemeindearchiv dar. Es existiert lediglich ein weiteres Dokument aus demselben Jahr. „Urkunde des Gemeindearchivs Möhnesee zur Restaurierung im LWL-Archivamt“ weiterlesen

Unter dem Titel „Rette mich, wer kann!“ Menschen, Erinnerungen und Artefakte im Ahrtal eröffnet das Stadtarchiv Bad Salzuflen diesen Sommer eine Solidaritätsausstellung zur Flutkatastrophe 2021, um ein Jahr danach Bad Neuenahr-Ahrweiler und seinen Kulturgütern eine Bühne zu geben. Neben zahlreichen Gebäuden und essentieller Infrastruktur ist auch das dortige Museumsdepot fast vollständig zerstört worden.
In Bad Salzuflen können ab dem 8. Juli gerettete und restaurierte Objekte sowie Impressionen der Situation vor, während und nach der Flut angesehen werden. Doch auch Verlorenes wird thematisiert, denn die Vernichtung von Kulturgütern bedeutet immer auch einen Identitätsverlust. Wie können wir also Kulturgut in Zukunft schützen?
Zusätzlich zur Sonderausstellung gibt es bis Ende des Jahres ein Begleitprogramm mit Vorträgen von Betroffenen und Expert*innen zu verschiedenen Themen der Kulturgutrettung und Restaurierung, zudem eine Weinprobe mit royaler Unterstützung durch die Ahrweinkönigin. Die Teilnahme an den Vorträgen ist kostenlos. Zur Unterstützung wird um Spenden für die Restaurierung der Exponate aus Bad Neuenahr-Ahrweiler gebeten.
Das Begleitprogramm:
8. Juli 2022, 18.30 Uhr, Wandelhalle
Eröffnung der Sonderausstellung
15. Juli 2022, 18.30 Uhr, Wandelhalle
Vortrag: Jahrestag der Flutkatastrophe. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 ereignete sich in den Mittelgebirgen um Ahr und Erft eine nicht für möglich gehaltene Katastrophe und ereilte die Menschen im Schlaf. Nach schweren Regenfällen wälzten sich bis zu 8 m hohe Flutwellen durch die engen Flusstäler und forderten über 200 Todesopfer und zerstörten ganze Ortschaften. Martin Brummermann ist Feuerwehrmann aus Bad Salzuflen und berichtet von seinem Einsatz im Flutgebiet Euskirchen 2021. Er zeigt anhand von Fotos das Ausmaß der Zerstörung durch die Wassermassen und gibt Hinweise, wie man sich eigenverantwortlich auf derartige Notsituationen vorbereiten kann.
29. Juli 2022, 18.30 Uhr, Wandelhalle

Vortrag: Anna-Helen Gnoyke (Weißenfels) ist Diplom-Restauratorin und hat zwei geschädigte Gemälde aus der Sammlung der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler restauriert. Sie stellt an diesem Beispiel die aufwändige Arbeit der Rettung der Kulturgüter dar.
Im zweiten Teil des Abends weitet Frederic van Broeck, Klimabeauftragter der Stadt Bad Salzuflen, den Blick auf das Grundphänomen der Kulturgütergefährdung durch den Klimawandel. Er gibt einen Einblick in die Zusammenhänge zwischen Klimaveränderungen und Naturkatastrophen, sowie möglichen Maßnahmen, diesen entgegen zu wirken.
02. September 2022, 18.30 Uhr, Wandelhalle

Vortrag: Susann Harder und Nadine Thiel berichten in ihrem Vortrag von der Rettung der Museumssammlung in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nachdem die Stücke 15 Tage lang im Wasser lagen, wurde eine durch verschiedene Organisationen koordinierte Bergung durchgeführt. Stellvertretend für Blue Shield Deutschland schildert Frau Harder, die sich normalerweise um die Rettung von Kulturgütern in Kriegsgebieten wie derzeit in der Ukraine kümmert, ihre Eindrücke. Die Diplom-Restauratorin Frau Thiel vom Stadtarchiv Köln ist durch den Einsturz des Archivs 2009 notgedrungen zur Expertin im Umgang mit beschädigtem Kulturgut geworden. Als Leiterin des Bestanderhalt des Archivs war sie maßgeblich mit der Erstversorgung in Bad Neuenahr-Ahrweiler betraut und rettet durch die Gefriertrocknung in Köln derzeit Stücke aus Papier vor dem Verfall.
07. Oktober 2022, 18.30 Uhr, Wandelhalle
Vortrag: Dr. Manuela Kramp stammt aus Lemgo und ist eine der wenigen Sachverständigen für historische Bauten in Deutschland. Die Flutkatastrophe beschädigte eine große Zahl an historischen Gebäuden, deren Erhalt häufig in Frage gestellt wird. Die promovierte Architektin ist seit der Katastrophe immer wieder im Flutgebiet unterwegs und hilft durch ihre Gutachten den Betroffenen. In ihrem Vortrag gibt Frau Kramp einen Einblick in ihre Arbeit und die Situation vor Ort.
04. November 2022, 18.30 Uhr, Wandelhalle
Weinprobe: Mariella Cramer, die amtierende Ahrweinkönigin, führt die Teilnehmer durch die verschiedenen Aromen des Ahrweines. Der Abend wird einen Schwerpunkt auf die Haupttraube der Region, den Spätburgunder, legen, allerdings sind auch überraschende Tropfen in der Verkostung. Die Einnahmen der Weinprobe werden für die Restaurierung von Flutschäden an den Exponaten aus Bad Neuenahr-Ahrweiler verwendet. Kosten: 30€
Die vielfältigen aktuellen Problemstellungen des Erhalts von Schriftgut wurden beim 24. Fachgespräch der NRW-Papierrestauratoren am 29. und 30. März im Historischen Archiv in Köln mit 230 Teilnehmenden aus dem gesamten Bundesgebiet diskutiert. Die Schwerpunkte der digitalen Tagung waren die aktuelle Krisensituation in der Ukraine sowie die Professionalisierung von Notfalleinsätzen und die Bewältigung der Flutschäden des Sommers 2021. Der Notfallcontainer für Kulturgutschutz des Notfallverbundes Köln wurde anlässlich der Tagung eigens vor dem Historischen Archiv platziert und wurde im Rahmen einer digitalen Führung von der Berufsfeuerwehr Köln vorgestellt.
Berichtet wurde zudem über die bestehende Corona-Förderlinie der Ernst-von-Siemens-Stiftung zur Unterstützung freiberuflich arbeitender Restauratorinnen und Restauratoren, die ganz aktuell durch eine Ukraine-Förderlinie ergänzt wurde. Vorgestellt wurden auch Entwicklung und Rahmenbedingungen der Drittmittelförderung durch die KEK mit ihren vielfältigen Möglichkeiten. Darüberhinaus wurde die nach wie vor aktuelle Problematik des Papierfischchenbefalls in Archiven, Museen und Bibliotheken thematisiert und neue Entwicklungen aus dem Bereich der Konservierungs- und Restaurierungswissenschaften vorgestellt.
Die Beiträge der Tagung werden zeitnah im Heft 17 der Arbeitsblätter des Arbeitskreises publiziert.
Arbeitskreis Nordrhein-Westfälischer Papierrestauratoren e.V.