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Bereit für eine Zeitreise? Die neue Heimat Hamm App ist da!

von Franziska Rohloff

Einleitung

800 Jahre – ein Jubiläum, das in vielen Städten klassischerweise mit einer fundierten Chronik oder einem repräsentativen Bildband gewürdigt wird. Das Stadtarchiv Hamm wählt gemeinsam mit anderen beteiligten Ämtern der Stadtverwaltung für diesen besonderen Stadtgeburtstag jedoch einen ergänzenden, neuen Weg. Ab sofort wird die Stadtgeschichte auf dem Smartphone lebendig: Eine kostenfreie App für Android und iOS – von der Stadt Hamm im Zusammenspiel mit dem Dienstleister Wezit GmbH entwickelt – lädt Bürger:innen und Besucher:innen zu einer digitalen Zeitreise durch die Innenstadt ein. Über Augmented Reality (AR) verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart direkt auf dem Display. Gefördert durch die Heimatförderung des Landes NRW, verfolgt das Gemeinschaftsprojekt das Ziel, die Historie möglichst barrierearm zu vermitteln, breite Zielgruppen anzusprechen und auch Schulklassen – etwa bei Wandertagen oder Exkursionen – zu begeistern. Doch so spielerisch die bunten AR-Effekte beim virtuellen Stadtrundgang auch wirken: Dahinter steckt kein reines Unterhaltungsprodukt. Wie viel echte Archivarbeit, historische Tiefenschärfe und redaktioneller Gedankenschmalz stecken eigentlich hinter den Kulissen dieser Zeitreise auf dem Smartphone?

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Archive und Demokratie – Rückblick auf den 59. Rheinischen Archivtag in Ratingen, 2./3.6.2026

In der vergangenen Woche fand der Rheinische Archivtag in Ratingen statt. Das LWL-Archivamt für Westfalen und das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum haben sehr ähnliche Aufgaben und Herausforderungen in der Beratung der nichtstaatlichen Archive in NRW zu leisten. Ein Blick auf den westlichen Teil unseres Bundeslandes lohnt daher immer. Üblicherweise werden die Vorträge der Rheinischen Archivtage in einem Sammelband publiziert, der zum Archivtag des Folgejahres vorliegt. Viele ältere Tagungsbände sind bereits frei online zugänglich.  Wer nicht so lange warten möchte, hat seit 2012 die Möglichkeit, den ausschließlich rund um die Rheinischen Archivtage genutzten Blog zu lesen, wo vorab Abstracts und direkt bzw. kurz nach den einzelnen Vorträgen umfangreiche Zusammenfassungen zu lesen sind. Das gesamte Programm des diesjährigen Rheinischen Archivtages bietet einen guten Überblick über die diesjährigen Sektionen 1 (Archive und Transparenz), wobei der Vortrag zu den kirchlichen Archiven leider krankheitsbedingt ausfallen musste, 2 (Archive und das Vertrauen in die Institutionen) und 3 (Archive und Demokratiebildung), sowie die drei Gesprächsrunden (1: Archivische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit als regionales Angebot; 2: Archive und KI; 3: Qualifikation und Fachkräfteförderung).

Vorträge (in Auswahl, mehr im Blog):

Sektion 1:

Julia Schneider (Hessisches Landesarchiv/Archivberatung Hessen): Archivische Schutzfristen und Transparenz – ein Gegensatz?

Thorsten Preuss (Digitalisierung und Informationstechnik, Stadt Köln): Die Sicherstellung der Merkmale Authentizität und Integrität in Zeiten des KI-Einsatzes | Rheinischer Archivtag

Sektion 2:

Matthias Buchholz (Bundesstiftung Aufarbeitung): Vertrauensraum Archiv. Zwischen Offenheit, Schutz und historischer Wahrheit

Tobias Herrmann (Landesarchiv NRW): Online-Bereitstellung von zeitgeschichtlichem Archivgut: Vertrauensverlust oder Vertrauensgewinn?

Diskussionsrunde 2:

Matthias Peissner (Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation): Künstliche Intelligenz für die Archivarbeit: Innovationsnetzwerk und erste Erfahrungen

Diskussionsrunde 3:

Stefan Schröder (LWL-Archivamt für Westfalen): Individuell und passgenau: das VdA-Mentoring-Programm

Thea Fiegenbaum (LVR-AFZ): Das Fortbildungscurriculum des LVR-AFZ: Zielgruppen und Anwendung

Der nächste Rheinische Archivtag wird 2027 in Jülich stattfinden.

Konferenz “Offene Archive” und Archivcamp 2026

Es ist wieder soweit. Die nächste Konferenz “Offene Archive” mit dem ThemaTransparenz, Beteiligung, Vielfalt – Bürger*innenarchive in demokratischen Gesellschaften” findet vom 9. bis 11. Juni 2026 in Kooperation mit dem Historischen Archiv mit dem Rheinischem Bildarchiv in Köln statt.

Die Anmeldung ist ab sofort möglich!

Mehr Infos unter: https://archive20.hypotheses.org/16493

Archivgebäude Eifelwall, Historisches Archiv der Stadt Köln und Rheinisches Bildarchiv. Von © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=109605245. 

 

Neue Positionspapiere und eine neue Handreichung der BKK online

Bei der 73. Sitzung der Bundeskonferenz der Kommunalarchive am 6./7. Oktober 2025 in Fulda wurde das vom BKK-Unterausschuss Historische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit erarbeitete Positionspapier Historische Bildungsarbeit in Archiven beschlossen. Es ersetzt das BKK-Positionspapier „Historische Bildungsarbeit als integraler Bestandteil der Aufgaben des Kommunalarchivs“ von 2005. Die BKK empfiehlt es nachdrücklich zur Lektüre und als Argumentationshilfe.

Ebenfalls im vergangenen Jahr hat die BKK das im Unterausschuss Bestandserhaltung entstandene Positionspapier Das historische Erbe bewahren! Bestandserhaltung – eine kommunalarchivische Pflichtaufgabe verabschiedet. Es ersetzt das aus dem Jahr 2010 stammende Positionspapier “Das historische Erbe bewahren – eine kommunalarchivische Kernaufgabe” und soll kommunalen Archiven und ihren Trägerverwaltungen helfen, das Archivgut bestmöglich zu erhalten.

Krisen überliefern! Eine Handreichung für Kommunalarchive Überlieferungsbildung” lautet der Titel des jüngsten Werks des BKK-Unterausschusses Überlieferungsbildung. Dass Krisen Gesellschaft und kommunale Verwaltungen vor große  Herausforderungen stellen, hat die Coronalpandemie in besonderem Maße bewiesen, krisenhaft sind aber nicht minder Naturkatastrophen wie die Flut an der Ahr und im südlichen Rheinland. “Ursachen, Art, Umfang und Folgen, aber auch Bewältigungsstrategien von Krisen sind für die Nachwelt von großem historischen Interesse“, heißt es einleitend in der Handreichung, die im Weiteren systematische und praxisnahe Hinweise gibt, welche Weichen Archive für die Überlieferungsbildung zu solchen Krisen stellen können und was sie im Ernstfall beachten sollten.