In der vergangenen Woche fand der Rheinische Archivtag in Ratingen statt. Das LWL-Archivamt für Westfalen und das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum haben sehr ähnliche Aufgaben und Herausforderungen in der Beratung der nichtstaatlichen Archive in NRW zu leisten. Ein Blick auf den westlichen Teil unseres Bundeslandes lohnt daher immer. Üblicherweise werden die Vorträge der Rheinischen Archivtage in einem Sammelband publiziert, der zum Archivtag des Folgejahres vorliegt. Viele ältere Tagungsbände sind bereits frei online zugänglich. Wer nicht so lange warten möchte, hat seit 2012 die Möglichkeit, den ausschließlich rund um die Rheinischen Archivtage genutzten Blog zu lesen, wo vorab Abstracts und direkt bzw. kurz nach den einzelnen Vorträgen umfangreiche Zusammenfassungen zu lesen sind. Das gesamte Programm des diesjährigen Rheinischen Archivtages bietet einen guten Überblick über die diesjährigen Sektionen 1 (Archive und Transparenz), wobei der Vortrag zu den kirchlichen Archiven leider krankheitsbedingt ausfallen musste, 2 (Archive und das Vertrauen in die Institutionen) und 3 (Archive und Demokratiebildung), sowie die drei Gesprächsrunden (1: Archivische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit als regionales Angebot; 2: Archive und KI; 3: Qualifikation und Fachkräfteförderung).
Neuer Ansprechpartner für das Gemeindearchiv Lippetal beim Fachamt in Münster
Wo wird eigentlich die Geschichte einer Gemeinde aufbewahrt? Im Lippetaler Gemeindearchiv ist dafür seit 2021 Dr. Lena Lewald zuständig. Am 22.01.2026 fand hier jetzt ein besonderer Besuch statt: Dr. Arnold Otto, der neue Leiter des Referats Archivberatung des LWL-Archivamtes und zukünftig als Gebietsreferent zuständig für den Kreis Soest, war zusammen mit seinem Vorgänger Dr. Daniel Droste zu Gast, um die Einrichtung und ihre Arbeit kennenzulernen. Bei einem Rundgang durch das Rathaus bis hin in die Magazinräume zeigte sich: Das junge Gemeindearchiv hat in wenigen Jahren beachtliche Fortschritte gemacht.
Der Leiter des Referats Archivberatung beim LWL-Archivamt, Dr. Arnold Otto, Archivleiterin Dr. Lena Lewald und Archivreferent Dr. Daniel Droste im Magazin des Gemeindearchivs Lippetal beim Antrittsbesuch. Foto: Gemeinde Lippetal
Was Lewald seit ihrem Dienstantritt aufgebaut hat, kann sich sehen lassen. In enger Abstimmung mit dem LWL-Archivamt entstand ein Magazinraum, der modernen konservatorischen Ansprüchen genügt – mit kontrolliertem Raumklima und fachgerechter Lagerung. Seit 2022 nimmt Lippetal zudem an der Landesinitiative Substanzerhalt (LISE) teil, bei der historische Dokumente gereinigt und entsäuert werden. Das Ergebnis: Interessierte können bereits auf die wiederaufbereiteten Bestände zugreifen. Lippetal erfüllt so seine Pflichtaufgabe gemäß Archivgesetz NRW.
Das Gemeindearchiv steht als erste Anlaufstelle vor Ort zur Bewahrung der Amts- und Lokalgeschichte im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen für alle Forschungsanfragen, Recherchewünsche und Besuchende offen. Rund 350 Jahre Geschichte lagern mittlerweile im Gemeindearchiv – von den Amtsakten des früheren Amtes Oestinghausen bis zu den Unterlagen der heutigen Gemeinde Lippetal. Es hat zunächst die gesetzliche Aufgabe, die Verwaltungsdokumente der Gemeinde zu bewahren, das historisches Erbe zu vermitteln und an zukünftige Generationen weiterzugeben.
Doch ein Kommunalarchiv sammelt mehr als nur Verwaltungsakten, es dokumentiert die gesamte Fülle des öffentlichen und dörflichen Lebens. Zur Identität Lippetals, zu all dem, was das Leben der Menschen hier ausmacht, zählen ebenso private Nachlässe, Vereinsunterlagen, Firmen- oder Parteiarchive, Pressesammlungen etc. Das historische Erbe besteht gleichsam auch aus kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Traditionen. All dies bildet in seiner Gesamtheit das unverwechselbare kulturelle Erscheinungsbild der Gemeinde ab.
Die Gemeinde Lippetal lädt alle Interessierten herzlich ein, ihr Archiv für Forschungsanfragen oder eine Reise in die Vergangenheit zu besuchen. Die Archivarin unterstützt und berät gerne persönlich – ob bei der Ahnenforschung, bei Recherchen zur Ortsgeschichte oder anderen Anliegen. Anfragen sind herzlich willkommen, um die überlieferten Quellen zu sichten und die Forschungsergebnisse gegebenenfalls zu veröffentlichen.
Während Verwaltungsunterlagen automatisch ihren Weg ins Archiv finden, braucht es bei privaten Dokumenten die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger. Besitzen Sie z. B. noch alte Fotos, Postkarten, Briefe, Plakate oder Sammlungen zu Lippetal? Kennen Sie spannende Geschichten und Anekdoten zur Gemeinde, die Sie gerne teilen möchten? Ebenso ist das aktuelle lokale Geschehen von Bedeutung. Genau solche Schätze, die bei Ihnen zu Hause, sei es auf dem Dachboden, im Keller oder in Ihrer Erinnerung behütet sind, sucht das Gemeindearchiv. Lewald berät Sie gerne zur Abgabe von historischen Unterlagen zur deren Sicherung und Überlieferung. Das Archiv freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme.
Kontakt: Gemeindearchiv Lippetal, Dr. Lena Lewald, archiv@lippetal.de, 02923/980-210
Auf der Homepage des VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. ist seit Kurzem ein neuer Arbeitskreis zu finden: Der AK Mentoring. Der Arbeitskreis hat sich zum Ziel gesetzt, ein deutschlandweites und Fachgruppen-übergreifendes Mentoring-Programm für VdA-Mitglieder zu entwickeln und zu etablieren.
Was unter Mentoring zu verstehen ist (Spoiler: Eine erfahrene Person (Mentor:in) begleitet eine weniger erfahrene Person (Mentee) über einen festgelegten Zeitraum hinweg, wobei Wissen, Erfahrungen und Perspektiven ausgetauscht und diskutiert werden) und weitere grundlegende Informationen werden auf einer FAQ-Seite mit den wichtigsten Fragen geklärt. „2026 startet erstmals ein Mentoring-Programm unter dem Dach des VdA“ weiterlesen