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Mein Archivstudium – von der DDR bis nach Kenia

Guten Tag, liebe Lesenden,

das neue Semester steht vor der Tür, und mit ihm viele neue Herausforderungen (das Schreiben der Bachelorarbeit) und tolle Möglichkeiten (ich werde im Rahmen des Studiums eine Woche nach Kenia reisen können). Aber beginnen wir von vorne.

Der Hauptteil unseres DDR Opposition Projekts ist seit letzter Woche Freitag abgeschlossen. Wir haben in einer Woche die Städte Quedlinburg, Wernigerode, Halberstadt, Stendal, Tangermünde, Güstrow, Stralsund und Greifswald besucht und uns ein Bild der dortigen Gebäude gemacht. Als kleine Erinnerung, im sechsten Semester musste jeder von uns einen Projektkurs wählen, ich habe mich für das Thema der DDR-Opposition entschieden und dort für den Schwerpunkt der Umweltbewegung und des Städteverfalls. Ich habe mir als Projektarbeit vorgenommen, zusammen mit einer Kommilitonin Städte in der ehemaligen DDR zu besuchen, die Teil des Denkmalschutzes waren, und fotografisch festzuhalten, wie diese Städte heute aussehen. Wir konnten fast alle Adressen, die wir uns im Voraus im Robert-Havemann-Archiv ausgesucht hatten, finden und sie mit den Fotos von damals vergleichen. Bei einzelnen Fotos war es jedoch sehr schwer, die originalen Häuser zu finden, da diese entweder komplett abgerissen wurden oder sich das Straßenbild so weit verändert hat, dass nicht mehr ersichtlich war, welche Häuser abgebildet wurden. Auch die lokale Bevölkerung haben wir in Einzelfällen befragt, die uns teilweise weiterhelfen konnten. Jetzt müssen wir abwarten, ob die analogen Fotos auch etwas geworden sind. Insgesamt haben wir 2 Filmrollen an Fotomaterial. Zusätzlich hat meine Projektpartnerin unseren Roadtrip filmisch festgehalten, hier wird sie jetzt noch ein Interview mit Familienangehörigen führen, um den Aspekt der Oral History einzubinden und zu erörtern, wie der Städteverfall damals betrachtet wurde. Im Folgenden werden wir eine genaue Auswahl der Fotos treffen und eine Ausstellung konzipieren, die wir zuerst in der Fachhochschule Potsdam ausstellen werden und anschließend an das Robert-Havemann-Archiv übergeben.

Dann habe ich mich im letzten Semester für eine Exkursion nach Kenia beworben. Ich wurde angenommen und darf nun zusammen mit acht anderen Studenten Anfang November für eine Woche nach Nairobi reisen. Dort werden wir einen Digitalisierungsworkflow zum Digitalisieren von Karten aus dem Kenianischen Nationalarchiv erarbeiten. Zwei Vorabtreffen haben wir bereits absolviert, in denen wir unser Vorgehen besprochen haben. Unser Digitalisierungsworkflow wird sich in 3 Bereiche aufgliedern. Im ersten werden die Karten mithilfe einer Spiegelreflexkamera digitalisiert und bei Bedarf nachbearbeitet. Anschließend werden wir die eventuell vorhandenen Texte auf den Karten mithilfe von OCR (Texterkennung) ermitteln und die Metadaten der Karten zusammentragen. Der letzte Bereich wird dann eine Datenbank aufbauen, in der die Digitalisate mit den Metadaten verknüpft werden. Ziel unserer Exkursion wird sein, den kenianischen Kolleg:innen zu veranschaulichen, dass die Digitalisierung von analogem Archivgut nicht zwangsläufig mit hohen Kosten verbunden ist. Ich freue mich sehr darauf, die archivische Arbeit auf einem anderen Kontinent kennenzulernen und ein anderes Land zu entdecken.

Ebenfalls habe ich in der letzten Woche an dem Infotag Brandenburg.digital teilgenommen. Das Thema des Infotages war „Digitalstrategie und Kulturerbe“. Ich finde es immer sehr interessant, wie auch andere Kultureinrichtungen mit verschiedenen Themen umgehen und welche Lösungen sie erarbeiten. Ich bin der Meinung, dass wir öfter spartenübergreifend in den Austausch und Diskussionen gehen sollten und so eventuelle Kooperationen aufbauen könnten.

Ich fand den Tag und die vorgestellten Digitalstrategien sehr spannend und konnte wieder viel für meine zukünftige Arbeit mitnehmen. Ich habe für mich beschlossen, dass ich auch nach meinem Studium weiter über den Tellerrand des Archivs schauen möchte und mich dort weiterbilden möchte. Ob nun durch ein weiteres Studium, im Master, oder durch Fortbildungen, bleibt hierbei noch offen. Schließlich wird das nächste Semester mein letztes im Archivstudium sein. Ab Ende November werden wir unsere Bachelorarbeiten schreiben und dann im Januar abgeben. Bevor im März die Verteidigung unserer Arbeiten ansteht und das Studium beendet ist. Das Thema meiner Arbeit wird im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und historisch/politische Bildungsarbeit angesiedelt sein und einen Praxisanteil beinhalten. Ich bin sehr gespannt auf den Schreibprozess und die Erkenntnisse, die ich erlangen werde.

Ich wünsche Ihnen einen schönen, goldenen Herbst.

Bis bald,

Ihre Sharon


OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
shundehege (24. September 2025). Mein Archivstudium – von der DDR bis nach Kenia. archivamtblog. Abgerufen am 6. Oktober 2026 von https://doi.org/10.58079/14qnw


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