Dieser Text ist Teil der Serie „Der LWL vor 50 Jahren“, in der die Auszubildenden zum/zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste (FaMI) – Fachrichtung Archiv des LWL-Archivamtes für Westfalen Einblicke in die Geschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) geben.
Bereits in den 1960er Jahren traten die Grafschaft Yorkshire und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Kontakt. Inspiriert durch den Deutsch-Britischen Partnerschaftskongress in Northumberland 1967 begann der lose Kontakt zum Zweck des Erfahrungsaustausches der beiden Körperschaften. Vier Jahre später, den 13.10.1971, wurde diese allmählich wachsende Freundschaft zu einer offiziellen Partnerschaft. Schon damals wusste man aber, dass in Großbritannien eine Reformation der Verwaltungsgebiete vor der Tür stand, womit die Zukunft der Partnerschaft im Unklaren war. Trotz einem beklemmenden Gefühls, waren beide Seiten der Meinung, dass diese Partnerschaft durchgeführt werden sollte:
In einer Zeit, in der Entfernungen praktisch aufgehoben sind und die Räume der Erde immer näher zusammenwachsen, vertiefen solche Partnerschaften das Gefühl unserer Zusammengehörigkeit. Über die innermenschlichen Beziehungen hinaus tragen sie bei der Entwicklung unserer Gemeinden und unserer Landschaften, deren Horizonte sie zum Maß eines Kontinents erweitern. Besonders auf der Ebene der Kommune, auf der sich das Wohl der Bevölkerung letzten Endes entscheidet, bedeuten Partnerschaften für beide Seiten einen Gewinn.
Ernst Knäpper in der Ansprache zur Begründung der Partnerschaft mit dem County Council of West Riding of Yorkshire, 7.10.1971
1974, im Zuge einer Verwaltungsreform in Wales und England auf kommunaler Ebene, wurde diese Partnerschaft gegenstandslos. Das Gebiet West Riding of Yorkshire wurde aufgelöst und dafür entstanden an selber Stelle drei Verwaltungsbezirke – Nord-, Süd- und West-Yorkshire. Erneuter Kontakt war aber sofort vorhanden. Gespräche begannen bereits im Oktober 1974 auf dem 4. Partnerschaftskongress in York, bei welchem fruchtbare Gespräche über die Fortsetzung der zuvor erwachsenen Freundschaft unter den Vertretern entstanden. 1975 lud der Landschaftsverband die Vertreter aller drei Bezirke für einen mehrtägigen Austausch nach Münster ein, um die Erneuerung und Vertiefung der Partnerschaft zu klären.

Die Begrüßung der Gäste aus Yorkshire, bestehend aus den jeweiligen Vorsitzenden der Bezirksparlamente und den drei Hauptverwaltungsbeamten, wurde am 12. März 1975 im Landeshaus wieder vom Vorsitzenden der Landschaftsversammlung Ernst Knäpper übernommen. Er sprach davon die “Partnerschaft durch Zusammenführung vieler Menschen […] neu zu beleben und so auch zum gegenseitigen Verstehen unter den Völkern und zur internationalen Zusammenarbeit beizutragen”. Die beiden Besuchstage hatten ein volles Programm:
- Besichtigung des Erbdrostenhofes,
- Besichtigung der Clemenskirche,
- Besichtigung des Doms,
- Besuch beim Oberbürgermeister Dr. Pierchalla,
- Besichtigung der Gehörlosenschule in Hachaney,
- Besichtigung des Westfälischen Landeskrankenhauses in Dortmund,
- Besuch des Freilichtmuseum Hagen.
In einem internen Arbeitsgespräch zu Beginn des Aufenthalts wurde die Vorgehensweise besprochen, wie die Partnerschaft vertieft und die Zusammenführung von Menschen erreicht werden könnte. Darunter wurden vor allem Maßnahmen besprochen, die den Kontakt zwischen Westfalen und Yorkshire intensivieren sollten. Ein großer Punkt war dabei die weitere Förderung und der Ausbau von Schüleraustauschen. Es existierten bereits Kontakte zwischen Schulen in York und Münster sowie Wakefield und Castrop-Rauxel, doch sollten vor allem neue Kontakte geknüpft werden. Auch der Austausch von Lehrpersonal wurde angesprochen. Des Weiterem wollte man den Austausch von Fachkräften im Bereichen wie Straßenbau, Archivwesen, Sozialwesen und weiteren fördern, sodass sich die Intensivierung der Kontakte in allen Aspekten widerspiegeln sollte. Deswegen sollten auch Partnerschaften zwischen den Städten sowie Kreisen in Westfalen und den districts in Yorkshire entstehen, ähnlich der Städtepartnerschaft zwischen York und Münster. Man plante zudem, dass auch außerhalb von Schulen und der Verwaltung der Kontakt unterstützt werden sollte. Ideen dazu waren Besuche und Kulturreisen zu organisieren, die von (Sport-)Vereinen, Chören, Musikvereinigungen und auch Privatpersonen in Anspruch genommen werden konnten.
Alles in allem sahen der Landschaftsverband und die Vertreter den mehrtätigen Austausch als großen Erfolg. Die Gäste aus der UK beschrieben in anschließenden Korrespondenzen, dass sie einen warm welcome und great hospitality genossen. Außerdem exceeded [the visit] what [they] had imagined. Die Partnerschaft zwischen den Körperschaften blieb somit erhalten. In den folgenden Jahren kam es zu diversen Besuchen, Fahrten und Reisen, wie zum Beispiel der Informationsreise des Landesdirektors Walter Hoffmann im Juli 1977 oder die Reise der westfälischen “Top Two”-Jugendlichen nach South Yorkshire im Oktober 1980.
geschrieben von Ronja Moj
Quellen:
LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/1044;
LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 141/437 und 141/433;
LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 141/453;
LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 141/443.
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rmoj (30. September 2025). LWL vor 50 Jahren – Die Grafschaft Yorkshire als Gast in Westfalen. archivamtblog. Abgerufen am 16. September 2026 von https://doi.org/10.58079/14s77