Dieser Text ist Teil der Serie „Der LWL vor 50 Jahren“, in der die Auszubildenden zum/zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste (FaMI) – Fachrichtung Archiv des LWL-Archivamtes für Westfalen Einblicke in die Geschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) geben.

Bei einladender Atmosphäre zwischen knisterndem Herdfeuer und einer historischen Standuhr wurde Prof. Dr. Josef Schepers, der Direktor des Freilichtmuseums Detmold, am 30. September 1976 im Gräftenhof des Museums verabschiedet. Mit der Feier im kleinen Kreis endete seine 13-jährige Tätigkeit als Museumsleiter. Als Gründungsdirektor hatte Schepers den Aufbau des Westfälischen Freilichtmuseums für bäuerliche Kulturdenkmale entscheidend geprägt und galt daher als dessen “Vater”.
Der 1908 im westfälischen Mesum geborene Schepers war Sohn eines Kleinwirts. Nach seinem Abitur in Rheine studierte er zunächst Malerei und Grafik, bevor er zur Germanistik, Kunstgeschichte, Geschichte und Volkskunde wechselte. Die Hinwendung zur Hausforschung entstand durch seinen Doktorvater Dr. Jost Trier, bei dem Schepers 1939 mit dem Thema “Das Bauernhaus in Nordwestdeutschland” promovierte. Währenddessen war er Assistent der Volkskundlichen Kommission, verlor diese Anstellung jedoch aus politischen Gründen und wechselte zum Landesamt für Baupflege unter Gustav Wolf. Dieser hatte Schepers mit den Worten “Kommen Sie zu uns, beim Bauen gibt es keine Ideologie” angeworben. 1940 wurde Schepers zum Kriegsdienst eingezogen. Sechs Jahre später konnte er seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Referent am Landesamt für Baupflege wieder aufnehmen.
Als Anfang der 1960er Jahre die Planungen für ein westfälisches Freilichtmuseum konkret wurden, war Schepers bereits eng in die Vorbereitungen eingebunden. Vor diesem Hintergrund kam seine Ernennung zum Direktor im Jahre 1963 nicht überraschend. Schepers setzte sich mit großem persönlichem Einsatz für den Aufbau der Anlage ein und sah dies, nach eigenen Angaben, als seine Lebensaufgabe an. Aus verschiedenen Quellen kann man entnehmen, dass Schepers mit dem Fahrrad oder Lastwagen quer durch Westfalen fuhr, um mit Bauern über ihre Höfe, Stallungen, Scheunen und Inventare zu verhandeln. Auf diese Weise konnten zahlreiche historische Gebäude für die Nachwelt gesichert werden – sowohl durch ihre Translozierung (Versetzung von Gebäuden) in das Freilichtmuseum als auch durch Schepers’ gutachterliche Tätigkeit in der Denkmalpflege.
Neben seiner Tätigkeit als Museumsleiter engagierte sich Schepers auch intensiv in wissenschaftlichen Netzwerken. So leitete er die Fachstelle Volkskunde im Westfälischen Heimatbund und war Vorsitzender des Arbeitskreises der Deutschen Heimatforschung. Darüber hinaus trat er 1967 eine Stelle als Dozent an der Universität Münster an, bei welcher er Studenten in die Haus- und Möbelforschung einführte. 1975 folgte die Ernennung zum Honorarprofessor.

Die Verabschiedung im Gräftenhof begann mit einer Ansprache des Landesdirektors. In seiner Rede würdigte er den “unermüdlichen Einsatz für die Schaffung und den Ausbau des Museumsdorfes” und hob hervor, mit welcher Hingabe Schepers sein Amt ausgefüllt habe. Durch sein politisches Engagement und seine organisatorische Arbeit sei das Museum, so Landesdirektor Walter Hoffmann, “faktisch aus dem Nichts geschaffen” worden. Zugleich erinnerte er an dessen vielfältige Leistungen und Verdienste beim Aufbau des Museums. Zwar gehe Schepers nun in den Ruhestand, diesen wolle er jedoch, so Hoffmann, für weitere Forschungen nutzen und stände auch weiterhin als Berater für das Museum zur Seite. Zugleich kündigte Hoffmann an, dass die offizielle Übernahme des Direktorenpostens durch den 35-jährigen Dr. Stefan Baumeier zum Ende des Monats erfolgen wird. Dieser hatte zuvor den Stellvertreterposten inne und eine wissenschaftliche Ausbildung auf dem Gebiet der Volkskunde, Kunstgeschichte und Archäologie genossen, welche er in der sechsjährigen Zusammenarbeit mit Schepers vertiefen konnte.
Im Anschluss sprachen auch Prof. Dr. Paul Pieper von der Vereinigung Westfälischer Museen und Prof. Günter Wiegelmann vom Heimatbund. Es folgte Schepers Abschlussrede, in welcher er sich bei allen Mitarbeitern und allen Persönlichkeiten aus Politik und Kultur bedankte, die ihn bei seiner Lebensaufgabe unterstützt haben. Der Abschied falle ihm leichter, so Schepers, da mit Baumeier ein Nachfolger bereitstehe, den er selbst in den vergangenen Jahren ausgebildet habe. Zuletzt wandte sich Baumeier an die Anwesenden und gab einen Ausblick auf die künftige Entwicklung des Museums. Eine Abkehr von der bisherigen Richtung soll es nicht geben; vielmehr wolle er diese vertiefen und insbesondere die Öffentlichkeitsarbeit sowie die wissenschaftliche Dokumentation weiter ausbauen.
Schepers gelang es, seine wissenschaftlichen Forschungen in die Museumspraxis zu übertragen und damit international Anerkennung zu gewinnen. Seine Schriften wurden als Standardwerke der Hausforschung gesehen. Mit der Verabschiedung Schepers’ endete eine prägende Phase der Aufbauarbeit des Freilichtmuseums.
geschrieben von Ronja Moj
Quellen:
LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/1114
LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 132/1028
LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 132/1028
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rmoj (1. September 2026). LWL vor 50 Jahren – Verabschiedung von Prof. Dr. Schepers, Gründungsdirektors des Freilichtmuseums in Detmold. archivamtblog. Abgerufen am 15. September 2026 von https://doi.org/10.58079/16pfz